School
Africa

August 2009


Montag, 3.8.

Der Abflugtag war geprägt von gespannter Erwartung, es ist diesmal schon was Besonderes, denn wir werden mit insgesamt 11 Leuten unterwegs sein, darunter Judith, die erst 5 Jahre alt ist.




Dienstag, 4.8.

Der Flug mit Qatar Airways über Doha war pünktlich und sehr angenehm. Es ist ein Glück, dass Judith so pflegeleicht ist und wirklich überall schlafen kann.



Aber je länger der Flug gedauert hat konnte man auch bei den Anderen erste Verschleißerscheinungen feststellen.



Auf jeden Fall sind wir alle gesund und munter in Dar es Salaam gelandet.



Wir wurden auch wie vereinbart abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht, der Beginn war also vielversprechend.


Mittwoch, 5.8.

Heute fuhren wir mit der Fähre zu einem Kurztrip auf die Insel Sansibar. Die Überfahrt war einfach, denn das Meer war relativ ruhig.



Unsere Unterkunft lag mitten in Stonetown, einem Gewirr von engen Gassen, das eher an arabische Städte erinnert als an Afrika.



Wenn man nicht aufpasst hat man sich schnell verlaufen bzw. wird von einem Rad- oder Mopedfahrer umgefahren. Vor allem der Fischmarkt, auf dem am Abend alle Arten von Meeresfrüchte frisch zubereitet angeboten werden, hat uns beeindruckt und wir haben uns die Köstlichkeiten schmecken lassen.






Donnerstag, 6.8.

Die Nächte hier sind sehr laut, denn vor allem die Männer sitzen noch lange in der Nacht vor den Türen in den Gassen und unterhalten sich angeregt. Wir hatten für 9.00 Uhr eine "spice-tour" gebucht, bei der man ins Innere der Insel auf eine Gewürzfarm fährt und die "Schätze" der Insel kennenlernt. So sind z. B. Nelken mit Abstand der wichtigste und zudem lukrativste Exportartikel. Die Tour selbst war etwas chaotisch, da zunächst kein Auto und dann kein Guide da war. Trotzdem konnten wir erfahren "wo der Pfeffer wächst", wie Vanille aussieht, Muskatnüsse öffnen und riechen, pflanzliche Farbstoffe für Massalla und Curry zerreiben und vieles mehr.



Insgesamt war es interessant und lehrreich, besonders das Probieren der verschiedensten tropischen Früchten war ein Highlight. Judith war natürlich die unangefochtene "Queen of spice-tour"!



Da wir bereits um 16.00 Uhr mit der Fähre abreisen mussten haben wir die Tour verkürzt, um nochmal ins Meer springen zu können und die Damen nochmal in Stonetown einkaufen wollten.



Die Überfahrt war sehr stürmisch, die Wellen waren bis zu 3 Meter hoch und um uns herum wurden die Kotztüten gefüllt. Wir, als alte Spessartseebären hatten aber keinerlei Probleme, Judith hat durchgeschlafen und die Jungs waren draußen, um den Wind und die Wellen zu geniessen. Trotzdem waren wir froh in Dar angekommen zu sein.


Freitag, 7.8.

4.45 Uhr Wecken, 5.20 Uhr Abfahrt zum Flughafen, man kann sich vorstellen wie müde die ganze Mannschaft war. Aber wir wurden beim Einchecken bei Precision Air schnell hellwach, denn es dauerte für uns nur länger als eine halbe Stunde. Die Leute in der Schlange hinter uns fingen schon an sich zu beschweren und es wurde sogar ein extra Schalter aufgemacht, weil es nicht voranging. Der Grund waren die Rechenkünste des Officers. Erlaubt sind 160 kg Gepäck, wir hatten ca. 190 kg, was gerade noch im Rahmen des Erlaubten ist. "You have 90 kg overweight, so you have to pay!" (Ihr habt 90 kg Übergewicht, das müsst ihr zahlen!) Wir haben heftig rumdiskutiert, er hat die zuständige Leitung geholt und diese wollte uns dann "nur" 40 kg berechnen. Nach langer Diskussion ist es gelungen die Koffer wieder rauszuholen und auf einer anderen Waage einzeln nachwiegen zu lassen. Beim Zusammenrechnen des Gewichts kam er schließlich auf 176 kg, was letztendlich weniger war als wir tatsächlich hatten. Es war eine lange, äußerst schweißtreibende Prozedur, an deren Ende sich der Officer entschuldigt hat und wir endlich einchecken konnten. Der Flug an den Kilimanjaro Airport verlief problemlos, wir wurden von Pfarrer Anicet empfangen und fuhren nach Maua zu unserer Unterkunft. Auf dem Weg hielten wir kurz am Markt in Moshi an um etwas ein zu kaufen.



Der Ort liegt auf ca. 1700 m und es war regnerisch und sehr kühl, ein kleiner Schock nach dem heißen Dar und Sansibar. Nach dem Mittagessen wurden wir in Uomboni erwartet, vor allem Peter freute sich sehr als er uns empfangen konnte. Stolz zeigte er uns die Schule. Wir sind beeindruckt! Das Gebäude sieht sehr gut aus! Die Arbeit von Peter und seinem Bautrupp kann sich wahrlich sehen lassen!





Für Anneliese und mich war es irgendwie wie "heimkommen", denn wir kennen inzwischen sehr viele Leute hier, die uns herzlich begrüßten. Aber auch Judith war sehr froh "ihren" Chris wieder zu sehen, den sie von zuhause kennt.






Samstag, 8.8.

Die erste Nacht war mit ca. 12 Grad richtig kalt und feucht, da können keine "afrikanischen Gefühle" aufkommen. Doch heute Morgen schien bereits wieder die Sonne und es war spürbar wärmer. Wir wohnen in einem Kloster bei Franziskanerinnen, der Ort am Fuße des Kilimanjaro macht seinem Namen alle Ehre. Maua heißt Blume und hier blüht es bunt und es gibt riesige Urwaldbäume, es ist richtig idyllisch und ruhig hier. Die Schwestern sind überaus herzlich, das Essen ist sehr gut, wir fühlen uns richtig wohl. Nach dem Frühstück sind wir wieder in die Pfarrei nach Uomboni gefahren, die Straßen sind abenteuerliche Pisten, ein Schlagloch reiht sich an das Andere, sogar beim Laufen muss man aufpassen, dass man sich nicht die Füße vertritt.



Judith hatte gleich eine "Freundin" gefunden, die sie zum Markt begleitet hat, der hier samstags nicht weit von der Kirche entfernt stattfindet. Deshalb waren auf der Straße viele Menschen unterwegs.









Nach dem Mittagessen im Pfarrhaus sind wir ins Tal nach Himo gefahren. Dort ist es im Gegensatz zu Uomboni richtig heiß, man merkt jeden Meter den man tiefer kommt. Wir haben Agatha in ihrem Laden besucht, sie war die erste Frau, die von uns einen Mikrokredit erhalten hat mit dem sie ihr Geschäft aufbauen konnte. Der Laden läuft gut, sie kann den Kredit wie plangemäß zurückzahlen.



Sie verkauft auch Ziegenmilch, ihre Tiere leben nachts und am Wochenende in einem originellen Ziegenstall.



Da Anneliese Zahnweh hatte, haben wir eine Duka la Dawa (Apotheke) gesucht, in der wir entsprechende Medizin kaufen konnten. Die Auswahl ist nicht groß, aber es gibt inzwischen einige solcher Läden, die Medikamente verkaufen. Man sollte natürlich wissen, was man braucht, denn Rezepte gibt es hier keine, gegen Barzahlung erhält man die Medizin. Wir wurden aber gut beraten und das Mittel hat auch geholfen.



Auf dem Rückweg haben wir die Jungs in Marangu mitgenommen, wo wir sie vorher mit Peter abgesetzt haben, es hat ihnen sichtlich gefallen.




Sonntag, 9.8.

Wieder geht es früh raus, denn wir müssen um 7.00 Uhr zur Frühmesse in Uomboni sein und da fährt man eine halbe Stunde. Auf dem Weg sehen wir überall wie Ziegen oder auch Rinder geschlachtet werden. Warum man das am Sonntag früh macht ist klar, denn es gibt keine Möglichkeit das Fleisch zu lagern, es muss also noch heute verkauft und gegessen werden. Inzwischen ist es warm, auch heute Nacht war es wesentlich angenehmer als gestern. Und endlich zeigt sich auch der Kilimanjaro, er war heute den ganzen Tag zu sehen.
Die Kirche ist wie immer voll besetzt, für uns musste eine Bank reserviert werden sonst wären wir nicht mehr reingekommen. Wie üblich wurden wir am Ende der Messe an den Altar gerufen und vorgestellt, die Menschen haben uns herzlich begrüßt.



Danach kamen viele zu uns und wollten uns begrüßen, natürlich war wieder Judith die "große Nummer".





Dass unsere Projekte irgendwie unter einem guten Stern stehen habe ich bei den letzten Besuchen bereits erwähnt und bemerkt, so ist es auch diesmal. Uns ist klar, dass wir die Schule bei der VETA registrieren müssen. Die VETA ist die zuständige amtliche Stelle für die beruflichen Schulen Tansanias. Bisher wurden da noch keine Kontakte geknüpft, aber heute hat uns nach der Messe Mr. Tesha angesprochen und nach der Registrierung gefragt. Er ist vom Gebäude beeindruckt und stellte sich vor als der oberste Chef der VETA in Tansania. Er hat uns Tipps gegeben und versprochen die Registrierung in die Wege zu leiten, was eine riesengroße Hilfe ist. Normalerweise wohnt er in Dar es Salaam, ist aber wegen der morgigen Beerdigung seines Schwiegervaters in Marangu. Da sie dafür noch einen Pfarrer suchen hat Chris dies gerne übernommen, eine Hand wäscht die andere.



Nach dem Mittagessen haben wir einen Ausflug nach Rombo an die Grenze Kenias gemacht. Aus dieser Gegend kommen Pfarrer Anicet und unsere liebe Sr. Eremina aus Maua. Wir hatten die einmalige Gelegenheit deren Elternhäuser besuchen zu können. Es war ein tolles Erlebnis, denn sie befinden sich mitten im "Bananenbusch", wo sicherlich kein Tourist hinkommt. Wenn man sieht in welch einfachen Häusern die Menschen hier leben, ohne Luxus wie Strom- oder Wasserversorgung kann man ermessen, wie hart das tägliche Leben ist. Trotzdem herrscht eine herzliche Gastfreundschaft und die Fröhlichkeit steckt an.







Auf dem Heimweg haben wir uns getrennt, denn ich bin mit Fides, Monika, Anicet, Peter und Chris zum Kilimanjaro Airport gefahren um Rosi Mill und ihre Söhne abzuholen, die heute Abend ankommen. Auf der Straße war die Hölle los! Vollbeladene LKW's im Schneckentempo, die man nur schwer überholen kann, da immer wieder Autos entgegen kommen, die voll aufgeblendet haben oder eben überhaupt kein Licht haben. Radfahrer haben sowieso kein Licht und die am Sonntag Abend zahlreichen betrunkenen Fußgänger machen das Fahren sehr schwer. Ich bin selbst gefahren und war froh, als wir um 22.30 Uhr in Maua angekommen sind. Zuvor haben wir aber die neuen Gäste begrüßen können, auch sie waren froh den langen Flugtag überstanden zu haben. Empfangen wurden sie am "International Airport" mit mehreren Stromausfällen, es war zeitweise stockdunkel, die PCs und Gepäckbänder standen still.



Es war bereits nach Mitternacht, als wir ins Bett kamen, für hiesige Verhältnisse sehr sehr spät!


Montag, 10.8.

Da wir gestern später als üblich ins Bett gegangen sind war heute früh "frei". Die Jungs nutzten das sofort um die "offenen tansanischen Meisterschaften" im Rommée auszuspielen. Sie hatten viel Spaß dabei, es ist sehr schön, dass sie sich so gut verstehen!



Nach dem Mittagessen besuchten wir den großen Markt in Kilema. Auf dem Platz herrscht ein buntes Treiben, das Gedränge ist groß. Aber auch hier sind alle sehr freundlich zu uns, als wir durch die Reihen gehen.







Angeboten werden hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte.



Aber nicht alles schmeckt so gut wie Judiths Zuckerrohr, wie man an Florian und Rosi sehen kann.



Nach dem Marktbesuch trennten wir uns wieder, Karlheinz, Gabi und die Jungs liefen den Berg hinauf nach Maua zurück, was hier großes Erstaunen hervorruft, denn normalerweise fahren die Wazungu mit dem Auto! Wir anderen fuhren nach Uomboni zur Schule, denn Rosi, Simon und Sebastian waren bereits den ganzen Tag gespannt darauf sie zu sehen. Der 1. Eindruck war überwältigend!



Das Gebäude wurde ausführlich besichtigt und bewundert. Es war schon spät als wir nach einem Kaffee im Pfarrhaus wieder zurück nach Maua fuhren, der gewaltig über uns thronende Kilimanjaro zeigte schon das erste Abendrot.




Dienstag, 11.8.

Während heute früh um 8.00 Uhr die ganze Mannschaft, inklusive Peter, zu einer dreitägigen Safari aufbrachen (Bilder davon weiter unten) ist für mich spätestens seit heute der touristische Teil der Fahrt beendet. Ich werde diese Tage in der Pfarrei verbringen, wo einige Arbeit auf mich wartet. Peter hat mir die Bauaufsicht übertragen, ich hoffe ich kann ihn zufrieden stellen. Als ich ankam waren die Arbeiten bereits in vollem Gange. Die "Frühschicht" hatte begonnen den Platz vor der Schule herzurichten, auf dem am Sonntag die große Einweihung stattfinden sollte.





Es ist eine harte Arbeit, es war warm und die Steine, die die Männer und Frauen auf dem Kopf schleppten sind schwer. Trotzdem waren alle fröhlich, es wurde gesungen und Späße gemacht.







Da Peter morgens bereits die Arbeit eingeteilt hatte, fuhren Anicet, Chris und ich nach Moshi zur VETA. Mr. Alois hatte uns schon angemeldet, leider war aber der Chef dienstlich in Arusha, so trafen wir uns mit dem "regional manager north", der uns mit notwendigen Infos versorgte, um die Registrierung in die Wege zu leiten.



Zum Mittagessen an einem Imbissstand an der Straße gibt es supu mbuzi und mbuzi na ndizi. Mbuzi heißt Ziege, dort gibt es nur diese Sorte Fleisch und was bei uns Pommes sind, sind hier gebackene ndizi (Bananen). Die Suppe ist im Geschmack vergleichbar mit unserer Wurstsuppe und das Fleischgericht mit unserem Kesselfleisch.





Da uns Peter eine Liste mit Sachen aufgestellt hat, die wir für den Bau einkaufen mussten gingen wir zum Geldwechseln an eine Bank. Zum Glück mussten wir nicht an den Bankautomaten, die Wartezeit wäre lang gewesen, denn die Schlange zog sich bis auf die Straße hinaus.



Beim anschließenden Einkauf war vor allem der Kauf des Elektrokabels ein Ereignis. Wir brauchten davon 50 m, also gingen die Verkäufer auf den Gehsteig, rollten das Kabel aus und haben mit einem 5 Meter langen Maßband die nötige Länge abgemessen. Kontrolleur Anicet achtete genau darauf, dass sie sich nicht "verzählten", es war richtig lustig!





In der Stadt war es richtig heiß, ich war froh wieder auf den Berg zurück zu fahren. Am Abend haben wir den Ablauf der Einweihung besprochen. Wer sagt wann was... usw. Es war schon dunkel als wir in der pfarreieigenen Bar nicht weit vom Pfarrhaus enfernt einen "Dämmerschoppen" machen konnten.


Mittwoch, 12.8.

Da ich heute die Bauaufsicht hatte musste ich natürlich früh dort sein und die Arbeiter so einteilen wie es von Peter geplant war. Leider sind die Sanitärinstallateure nicht erschienen, aber alle anderen Arbeiten gingen gut voran. Die Elektriker sind mit dem Erdgeschoss fertig geworden und die Pflasterer, die mit Pickel und Schaufel aus Natursteinen den schlammigen Weg um die Kirche zu einen autotauglichen Weg pflastern sind richtig gute Arbeiter, wie der Fortschritt seit Samstag zeigt.







Da am Sonntag in der Messe eindringlich darum gebeten wurde wenigstens an einem Tag in der Woche zum Helfen zu kommen, waren wieder einige Leute da, um den Platz aufzuräumen. Wenn man sieht wie fleißig hier gearbeitet wird kann man natürlich nicht nur dabei stehen, man muss einfach mithelfen. Zum Glück war es heute nicht ganz so warm, denn ich muss sagen, dass die Mauersteine aus Beton wirklich richtig schwer sind!



Auch die angehenden Näherinnen hatten heute einen ganztägigen Arbeitseinsatz, sie mussten Gras mähen und aufräumen.



Anicet und ich haben am Nachmittag die Abrechnung der Baukosten gemacht, was wirklich eine zeitaufwendige Arbeit ist. Sie ist aber unbedingt notwendig, damit eine Kontrolle gegeben ist und der Überblick über die Ausgaben nicht verloren geht. Unerwartet kam noch Chris mit Baltazar und seiner Familie zu Besuch, so konnte ich zum erstenmal die kleine Liza sehen, das Patenkind von Anneliese, das am Sonntag getauft wird.



Anicet und ich haben uns am Abend noch ein Bier im Pfarrshop genehmigt, das wir uns nach dem langen Tag redlich verdient haben.




Donnerstag, 13.8.

Heute früh war es stark bewölkt und mit ca. 12 Grad sofort wieder kühler. Hier oben am Fuß des Kilimanjaros wechselt das Wetter recht häufig, man muss immer mit Regen rechnen. Zum Glück ist es im Laufe des Tages besser geworden, am Nachmittag kam sogar die Sonne heraus und da hat es schnell wieder 25 Grad. Heute waren nicht sehr viele Leute zum Aufräumen da. Dies ist verständlich, da die Arbeit zuhause schließlich auch getan werden muss. In solchen Fällen werden wie gestern die angehenden Näherinnen eingesetzt. Da immer wieder andere ran müssen hält sich die Belastung in Grenzen.



Ich habe mit einem Arbeiter die Türen und Fenster gerichtet und im Gebäude verschiedene kleine Arbeiten erledigt, die Pflasterer waren da und einige Frauen haben den Platz vor der Kirche gesäubert. Die Spannung unter den Leuten steigt spürbar, schließlich kommt nicht alle Tage der Bischof zu Besuch in diese abgelegene Region! Der Kirchenchor probt schon seit Wochen für das große Ereignis. Sie sitzen in der Kirche und zu gleicher Zeit üben mehrere Gruppen verschiedene Stimmen und auch verschiedene Lieder ein. Ich glaube so würde das bei uns kein Chorleiter machen und es wirkt von außen auch richtig chaotisch, mal sehen wie es am Sonntag klingt.





Überhaupt ist hier in und um die Kirche ist immer was los. Das gesamte soziale Leben spielt sich auf diesem Platz ab. Vor allem für die Kinder wird viel getan. Von der Lerngruppe der Kindergartenkinder bis zum Kommunionunterricht sitzen in sie an verschiedenen Stellen und arbeiten zusammen.





Nach dem Unterricht wird immer auch noch eine kleine oder auch große Arbeit verrichtet bevor sie nach Hause gehen. So müssen sie aufräumen oder auch mal das Maisstroh für die dahinKühe in den Schuppen bringen.





Heute am Spätnachmittag kommen die Anderen wieder von der Safari zurück und Chris und ich wollen sie in Marangu abholen. Auf dem Weg dahin besuchen wir seine Schwester, die ihn freudig tanzend und singend empfangen.



Der Mann ist Bergführer und momentan auf dem Kilimanjaro unterwegs. Der bescheidene Tagesverdienst von 8000 TShs (ca. 4 âéČ) reicht gerade aus, dass sie ein kleines Häuschen in den Feldern bewohnen und die Kinder eine Schule besuchen können.



Wir fuhren danach nach Marangu, wo wir die Wartezeit nutzten, um ins Internetcafé zu gehen. Die Verbindung ist unendlich langsam, es reichte gerade um einige Berichte abzuschicken. Marangu liegt ca. 400 m tiefer als Uomboni und ist die nächstgelegene Stadt. Hier ist ein Verkehrsknotenpunkt und natürlich viel los. Überall verkaufen Frauen Obst, Busse warten auf Mitfahrer und aus den Bergen kommen die Menschen, um Besorgungen zu machen.







Es war überhaupt nicht langweilig hier auf die zwei Safarifahrzeuge zu warten, die schließlich wie vorgesehen am Spätnachmittag ankamen. Sichtlich müde kamen sie an, aber da sie eine tolle Safari hatten waren sie sehr zufrieden. (Bilder hier)




Freitag, 14.8.

Am Morgen sind wir nach dem Frühstück wieder nach Uomboni gefahren. Der Höhepunkt unserer Reise, die Einweihung der Schule am Sonntag steht kurz bevor. Auch wir wollten unseren Beitrag zum Gelingen leisten und die Leute mit einem gemeinsamen Arbeitseinsatz unterstützen. Die Frauen hatten mit dem Abschleifen der Wände ihren Einsatz im Gebäude.



Wir Männer verrichteten die "Schwerarbeit" draußen beim Säubern des Platzes.





Judith war natürlich wie immer mittendrin dabei.



In ihrer Pause kamen alle Kindergartenkinder und halfen uns, indem sie die Eimer mit Steinen füllten, so wurden wir schneller fertig. Es war eine richtige Gaudi.



Nach der Arbeit genehmigten wir uns eine Erfrischung im Laden von John, der direkt neben dem Pfarrgelände liegt.





Am Nachmittag stand ein Besuch beim Fest zum ersten Treffen des John Tombolo Clans auf dem Programm, zu dem wir eingeladen worden waren. Auf der mit einer Plane überdachten Veranda des Hauses saßen die Männer und Frauen des Clans zusammen. Die Mama des Hauses hatte sich fein herausgeputzt und es gab sehr gutes Essen.





Der Nachmittag war auch deshalb beeindruckend, weil wir etwas über die wichtige Bedeutung der Clans erfahren konnten. Die Großfamilie hatte sich vor einiger Zeit getroffen und beschlossen sich zu organisieren, um sich besser den Herausforderungen der neuen Zeit stellen zu können. Es wurden verschiedene Ämter gewählt und ein gemeinsames Konto auf der Bank eröffnet. Der Clanrat kümmert sich um die Belange der Mitglieder. Die Gründe, die Clanchef John in seiner Rede nannte waren z.B. die Schulbildung der Kinder, die Unterstützung der Alten, die wirtschaftliche Situation der Mitglieder, die Ernährung, sowie die Gefahren durch Drogen und AIDS.



In einem Land, in dem der Staat so gut wie keine soziale Infrastruktur bereitstellt ist diese Form der gegenseitigen Unterstützung sehr effektiv und überlebenswichtig. Die Menschen können sich darauf verlassen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind und Hilfe bekommen. Sie waren auf jeden Fall sehr stolz darauf, uns ihren Clan präsentieren zu dürfen.
Zu jedem Fest gehört es sich hier auch, dass nach dem Essen das traditionelle mbege (Bananenbier) serviert wird, das 5 Tage vorher angesetzt worden ist. Wir mussten natürlich auch probieren, bekanntlich sind die Geschmäcker verschieden und dieses Getränk ist nicht jedermanns Sache.



Es ist hier auch üblich, dass am Nachmittag eines Festes die Nachbarn draußen im Garten darauf warten vom Hausherrn, oder in unserem Fall von den Ehrengästen, die Kalabashi (Kürbiskrüge) voll mbege gereicht bekommen.





Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns unter großem Hallo, gerade rechtzeitig, um vor der Dunkelheit in Maua anzukommen. Am Abend arbeiteten Rosi, Anneliese und ich noch einige Zeit an Rosis Rede zur Einweihung am Sonntag, es wird eine sehr bewegende Feier werden.




Samstag, 15.8.

Heute fand das lang geplante Fest in der Familie von Chris satt. Da er seit einem Jahr nicht mehr Zuhause war und wir als Gäste in Uomboni waren wurden zwei Ziegen und ein Schwein geschlachtet, um dieses Ereignis gebührend zu feiern. Wir fuhren zunächst wieder in die Pfarrei Uomboni, wo die letzten Vorbereitungen zur morgigen Einweihung in vollem Gange waren.



Wir sind zusammen den Weg hoch zum Elternhaus von Chris gelaufen, es geht immer bergauf, es liegt auf etwa 1800 m Höhe direkt unter dem Kilimanjaro. Man merkt beim Atmen schon die Höhe.



Das Fest selbst verläuft sehr traditionell. Zu Beginn sitzen die Männer getrennt von den Frauen zwischen den oberen Hütten, während die Frauen im unteren Bereich die Speisen zubereiten.



Auch unsere Damen haben dabei keinen Zutritt zum Bereich der Männer, wo die Tiere geschlachtet wurden. Das zerlegte Tier wird auf Bananenblättern ausgebreitet und alle Teile in einem großen Topf entweder gekocht oder auf Stöcken gegrillt.



Bei den Männern werden kleine Fleischstückchen oder auch Schälchen mit der gekochten "Fleischsuppe", die mit Blut "verfeinert" ist, herumgereicht und zwar streng nach Rangfolge: zunächst die Gäste und die Älteren, erst danach die Buben. Dabei wird wirklich alles (!) gegessen! Manches ist für uns absolut ungenießbar!



Das "richtige" Essen für uns war dann eine Meisterleistung der Köchinnen, Reis, Kartoffeln, Ziegen- und Schweinefleisch, dazu gute Soßen, es schmeckte hervorragend. Auffallend ist, dass die Frauen nicht bei den Gästen essen, sondern sich in Omas kleine Holzhütte zurückgezogen haben. Die Wohnung besteht aus 2 kleinen Räumen, die direkt an den Stall für die Kuh und die beiden Ziegen angebaut sind.. In einem steht ein Bett mit einer großen Schachtel für die Kleider, der zweite Raum dient als Küche und Aufenthaltsraum für Regentage.



Die Wohnverhältnisse hier sind sehr bescheiden, aber Bibi (Oma) wollte lieber neben ihrer Kuh bleiben, als in das neuere Haus zu ziehen, das die Söhne für sie gebaut haben. Sie ist sehr glücklich dabei.



Nach dem Essen wurde allen Gästen das traditionelle mbege gereicht, auch die Jungs durften davon probieren. Ob es ihnen geschmeckt hat? Wie gestern sind auch wieder alle Nachbarn gekommen, um etwas vom mbege abzubekommen.





Wir sind bis zum späten Nachmittag dageblieben, es war ein großartiges Erlebnis für uns alle, auch wenn die traditionellen Speisen nicht bei jedem Anklang gefunden haben. Wir mussten zwar nicht heimlaufen, aber da es geregnet hat und die Wege sehr schlüpfrig sind, mussten wir öfters aussteigen, damit der Fahrer durchkonnte. Auch das Fahren ist immer ein Erlebnis!


Sonntag, 16.8.

Heute war der große Tag der Einweihung und ich möchte vorneweg schon sagen, dass es das größte und intensivste Fest war, das ich je in Tansania erlebt habe. Es war in jeder Hinsicht beeindruckend und bewegend, dies kann in dem kurzen Bericht sicherlich nicht wiedergegeben werden. Wir sind schon früh nach Uomboni gekommen und konnten die Arbeit sehen, die die Pfarreimitglieder gestern bis tief in die Nacht und bereits heute früh bewältigt haben. Peter sagte, dass sie schon um 5.30 Uhr angefangen haben, also als es noch dunkel war.







Der Altar wurde am Kindergarten gegenüber der Schule aufgebaut und war schön dekoriert. Bis kurz vor Beginn der Messe um 11.00 Uhr herrschte rege Betriebsamkeit. Vor allem die Küchencrew vollbrachte Höchstleistungen. Die improvisierte Küche musste schließlich mehrere 100 Ehrengäste und Pfarrmitglieder verköstigen.





In all der Hektik ging leider die Taufe der kleinen Liza etwas unter. Dennoch war es für uns ein besonderes Ereignis. Anneliese wurde Taufpatin der kleinen Tochter von Baltazar und Nema Temu, Bruder und Schwägerin von unserem Chris. Es gibt seit langem persönliche Beziehungen zu seiner Familie und Anneliese ist stolz darauf Patin zu sein.





Als wir aus der Kirche auf den Vorplatz kamen war dieser bereits gut gefüllt, insgesamt waren es weit über 2000 Menschen, die an der Einweihung der Schule durch den Bischof teilnahmen. Die Gäste hatten einen Ehrenplatz direkt neben dem Altar, das ist hier so üblich.







Die Messe war sehr feierlich gestaltet, Innocent mit seinem Chor konnte nach dem langen Üben endlich zeigen, was in ihm steckt.



Nach der Kommunion zelebrierte Bischof Isaac die Einweihung der neuen Schule. Es war sehr bewegend, "Mama Rosi" bedankte sich in dafür, dass die Schule nach Hugo benannt wird. Als sie in ihrer Rede erzählte, dass er heute vor 2 Jahren gestorben ist, hatten viele Menschen Tränen in den Augen. Simon und Sebastian überreichten ein Bild ihres Vaters und anschließend wurde mit dem Durchschneiden des Bandes die Schule eröffnet.





Nach dem Segen fand das "Entertainment" statt, bei dem gesungen, getrommelt und getanzt wurde. Es gab mbege und als Höhepunkt einen keki, was nichts anderes war als die gegrillte Ziege, von der Bischof Isaac traditionell kleine Stücke abgeschnitten und an die geladenen Gäste verteilt hat.







Wir tanzten und feierten gemeinsam bis 18.00 Uhr, als wir bei Dunkelheit in Maua ankamen hatten wir einen ganz besonderen Tag erlebt, den sicherlich niemand von uns vergessen wird.


Montag, 17.8.

Eigentlich sollte es heute nach der gestrigen Einweihung eher ruhiger ablaufen, aber es wurde wieder ein dicht gefüllter Tag. Am Vormittag besuchten wir kurz den Kindergarten in Uomboni, der zu unserem Patenschaftsprogramm für Kindergartenplätze gehört. Momentan läuft er nur mit einer Gruppe, aber sobald die Näherinnen in ihre neue Schule einziehen werden wird die zweite Gruppe wieder eröffnet.



Anicet, Peter und ich haben dann den weiteren Verlauf der Bauarbeiten besprochen. Anicet war sichtlich erleichtert, dass die Feier gestern so hervorragend über die Bühne gelaufen ist. Währenddessen besuchten die Anderen unserer Reisegruppe die Scondary School in Uomboni, die inzwischen zu den besten im Land zählt. Obwohl die Bedingungen ganz und gar nicht gut sind versuchen Schüler aus ganz Tansania hier aufgenommen zu werden. Nähere Details sind im Bericht vom Februar 2009 zu finden. Was uns bei diesem Besuch sehr erstaunte ist die Tatsache, dass die Schüler ihren Sportplatz selbst herrichten müssen. Was bei uns Raupen und Bagger machen würden machen hier die Schüler und Lehrer an den Samstagen selbst. Der ganze Platz wird von Hand gegraben! Wenn man das bei uns fordern würde.......





Da es unser letzter Tag in Uomboni war haben Mary und ihre Küchenmannschaft nochmals eine Ziege geschlachtet und für uns und offizielle Pfarreivertreter groß aufgekocht. Asante sana.



Danach waren wir bei Theresia eingeladen. Sie ist die Chefin des Ausbildungszentrums Hugo Mill und war sehr froh, als wir in ihr Haus gekommen sind. Sie hatte natürlich auch gekocht und so nahmen wir ein zweites, hervorragend schmeckendes, Mittagessen ein.





Theresia ist auch die Chefin der WAWATA Mikrofinanzierung und wir haben auf den letzten Drücker noch eine Bilanz gezogen. Ich kann berichten, dass dies eine der besten Maßnahmen war, die wir jemals durchgeführt haben. Die Frauen sind sehr zufrieden und ihr Leben hat sich wirklich verbessert. Die Rückzahlungsquote liegt bei 100 % und das inclusive Zinsen!
Dafür, dass wir einen ruhigen Tag verleben wollten war es ganz schön anstrengend, aber auch sehr schön. Am Abend wurde gepackt, schließlich müssen wir am Dienstag um 4:15 zum Flughafen!


Dienstag, 18.8.

Wir standen um 3:30 Uhr auf, ich glaube, dass Florian an seinem Geburtstag noch nie so früh geweckt wurde. Es nieselte und war kalt, wir waren froh, dass es zum letztenmal die Holperstraße hinuntergeht.



Nicolas, unser Driver war schon da und fuhr uns zum Kilimanjaro Airport. Dort in der Tiefebene ist es schon bedeutend wärmer als oben auf dem Berg. Wir flogen pünktlich um 7:30 Uhr weg und landeten in Dar es Salaam, wo wir leider nicht wie geplant 2 Stunden später weiter fliegen konnten, sondern erst um 17:30 Uhr. Chris holte uns deshalb ab und wir verbrachten den Tag mit relaxen in Kurasini, der Prokura der Missionsbenediktiner. Wir mussten dann noch bis 18:30 warten bis wir am kleinen Flugplatz von Mtwara landeten. Wir wurden herzlich empfangen und in unser Haus am Meer gebracht. Es war warm und die Kinder mussten natürlich gleich zum Wasser. Wir haben den Abend mit Chris, den Pfarrern Philbert und Cornelius bei einem leckeren Geburtstagsbuffet bei Papa Tupa genossen. Es gab frischen Fisch, Octopus und die obligatorischen kuku na chipsi (Hähnchen mit Pommes).




Mittwoch, 19.8.

Heute sind die Kinder alle bereits um 6:00 Uhr aufgestanden und das freiwillig! Was das Meer alles bewirkt! Sie wollten den Sonnenaufgang sehen und gleich baden gehen. Der Sonnenaufgang war schön, aber leider war um diese Zeit Ebbe, das Wasser war verschwunden. Dennoch haben wir es alle genossen in der Wärme zu sein.





Wir fuhren zur Pfarrei St. Paul um einige unserer Kindergärten zu besuchen. Zunächst gingen wir nach Majengo, den Kindergarten bei der Pfarrkirche. Danach fuhren wir zum Kindergarten St. Elisabeth. Es immer wieder ein emotionales Erlebnis für mich, denn dies war der Beginn der Kinderhilfe Tansania. Es war das erste Projekt und ist damals nach dem Tod meiner Schwester Lissi verwirklicht worden. Wir hatten 1998 die Einweihung miterlebt, das damals mitgebrachte Bild von Lissi hängt immer noch dort. Inzwischen haben Hunderte von Kindern den Kindergarten durchlaufen und einen guten Start ins Leben erhalten.



Was uns auffällt ist, dass recht wenige Kinder in den Gruppen sind. Ab 2009 wurde das Schulgeld auf 15.000 TShs erhöht, ob das der Grund ist? Das müssen wir beim morgigen Treffen in der Pfarrei besprechen. Was uns auch aufgefallen ist, und zwar nicht erst hier, ist die Trockenheit. Es hat in weiten Teilen des Landes sehr lange nicht mehr geregnet, die Ernten sind großflächig wesentlich geringer ausgefallen als üblich. Die Menschen hier sind sich sicher, dass ab Oktober eine Lebensmittelknappheit kommen wird, das wird zu einer Hungersnot im Lande führen! Wenigstens haben wir für unsere Kindergärten den Mais für das kommende Jahr bereits eingekauft!



In der Pfarrei warten die verbliebenen Mitglieder der UPENDO group auf ein Treffen mit uns. Diese Männer, Frauen und Kinder leiden an AIDS und bekommen hier eine kleine Unterstützung. Seit dem letzten Jahr sind die Leiter der einzelnen Gruppen fast alle verstorben, so gibt es ein organisatorisches Problem, dessen Lösung morgen auch auf der Tagesordnung steht.



Auf dem Markt haben wir noch Obst und einige Körbe gekauft, bevor wir am Nachmittag die Sonne, das Meer und den menschenleeren Strand geniessen durften. Den Tag ließen wir im Msemo mit einem guten Abendessen ausklingen.


Donnerstag, 20.8.

Wo ist eigentlich der Fotoapparat? Das war eine Frage die heute früh einige Hektik erzeugt hat. Als alles durchsucht war war klar, dass wir ihn gestern im Msemo vergessen haben.Ich bin sofort mit Peter hingefahren und tatsächlich er wurde gefunden! Fatuma, die Bedienung hatte ihn weggesperrt und hat ihn mir stolz gegeben. Das ist hier absolut keine Selbstverständlichkeit, normalerweise ist so etwas dann einfach weg, asante sana.



Nach dem Frühstück gingen die Kinder nochmal ans Meer, für die Mills war es das letztemal, denn ihr Flug von Mtwara nach Dar sollte gegen 12:25 Uhr starten, also mussten wir kurz vor 11:00 Uhr von unserem Haus los.



Ich fuhr dann mit ihnen zum Flughafen, die anderen genossen das Meer, schließlich sind wir ja auch im Urlaub.



Es war ein herzlicher Abschied, wir haben uns in den letzten Wochen sehr gut verstanden und viele neue Eindrücke bekommen. Die Fahrt nach Tansania war für uns alle ein besonderes Erlebnis.



Danach machten Peter und ich noch einige Besorgungen in der Stadt. Mtwara ist seit 2 Jahren nicht mehr wieder zu erkennen. Es wurden neue Straßen geteert und zum erstenmal habe ich hier eine große Baumaschine gesehen, die bisherige Schlaglöcherstraßen in "Highways" verwandelt.



Das Leben pulsiert und es ist nach all den Jahren des Stillstands endlich ein Aufschwung zu erkennen. Man kann inzwischen in kleinen Läden sogar frisches Brot und viele andere Lebensmittel kaufen, wenn man es sich leisten kann!



Allerdings ist nach wie vor die Armut gegenwärtig. Es gibt sichtlich mehr arme Bettler als früher und wenn man weiß, dass durch die Dürre in diesem Jahr noch eine Hungersnot kommen wird, wird das nicht besser werden. Die Schere zwischen arm und reich geht weiter auseinander, die Krise trifft auch hier die ärmsten der Armen besonders hart.





Das Meer spielt ein große Rolle in der Versorgung der Menschen. Unzählige Frauen gehen bei Ebbe hinaus, um essbare Muscheln und Schnecken für ihre Familien zu sammeln. Das dauert meist mehrere Stunden, bis sie genügend haben, um wieder heim gehen zu können.



Reges Treiben herrscht am Fischerhafen, von dort aus fahren fliegende Händler mit Fahrrädern die Straßen entlang um frischen Fisch anzubieten, wie hier einen riesigen Kingfisch.





Am Nachmittag habe ich mich zusammen mit Chris und Pfarrer Philbert getroffen, um die verschiedenen Projekte in der Pfarrei St. Paul zu besprechen und abzurechnen. Es läuft im Großen und Ganzen gut, aber in drei Bereiche gibt es änderungsbedarf: So ist die Kinderzahl in den Kindergärten geschrumpft, weil immer mehr private Einrichtungen eröffnet werden. Da diese aber bei weitem nicht den Standard unserer Kindergärten haben sollte es mit etwas Werbung gelingen, wieder mehr Kinder zu bekommen. Der zweite Bereich ist der Fair-Handel mit Cashew-Nüssen, aber da stellte sich schnell heraus, dass es nur ein logistisches Problem ist, das wir gleich bereinigen konnten. Mehr Kopfzerbrechen bereitet die Situation der UPENDO group, also die Gruppe der an AIDS erkrankten Menschen. Da die einzelnen Gruppenleiter in kürzester Zeit alle verstorben sind ist die Struktur zerbrochen. Ich habe angeregt einen "Sozialpädagogen" einzustellen, der sich in Zukunft um die Bedürfnisse der Menschen kümmert. Wirhoffen auch hier eine praktikable Lösung gefunden zu haben. Es war schon fast zu spät, um noch vor der Ebbe zu baden, aber ich habe es gerade noch geschafft mich abkühlen zu können, das ist einfach traumhaft hier.




Freitag, 21.8.

Der Tag begann mit der Nachricht von Judith: "Wir haben einen platten Reifen!" Zuerst wollte es niemand glauben, aber als wir losfahren wollten sahen wir es auch. Wir natürlich sofort ans Werk, ist ja nicht schlimm. Aber es gab keinen Wagenheber und der Ersatzreifen auf dem Dach ließ sich nicht abmontieren. Zum Glück kam zufällig gerade Pater Witmar und lieh uns seinen Wagenheber. Aber das mit dem Ersatzreifen gestaltete sich schwieriger. Wir fuhren mehrere Garagen ab, nirgendwo gab es einen 24er Schlüssel, sie waren alle geklaut. Im Office von Witmar wurden wir schließlich fündig. Das eigentliche Wechseln war dann schnell erledigt, insgesamt hat es aber mehr als 1 Stunde gedauert.



Das Auto hatten wir über die Abtei Ndanda erhalten, vielen Dank dafür. Wir waren sehr froh darüber, denn wir hatten darin Platz für alle, sogar Chris konnte mitfahren.



Wir sind dann mit Verspätung in der Aquinas Secondary School angekommen. Die Schüler hatten gerade Pause und holten sich ihren Maisbrei ab.





Diese Schule haben wir von Anfang an unterstützt, zum Einen durch das Spessart-Bike-Stipendium, zum Anderen aber auch durch Geldspenden. So hat z.B. die Regierung von Unterfranken vor 2 Jahren über uns ein Klassenzimmer mitfinanziert. Eine große Herausforderung war aber der Versand von mehr als 50 kompletten PC-Anlagen, die wir in einem Container nach Mtwara geschickt haben. Alle haben den Schiffstransport heil überstanden! Diese Seco ist die einzige Schule weit und breit mit einem großen Computerraum, obwohl dieser von der Regierung in allen Secos gefordert wird.



Am Nachmittag haben wir unsere Partnerschule, das Montessori Training Center besucht, es ist dort immer wie heimkommen, so freuen sich die Lehrerinnen über unseren Besuch. Was mir dabei aufgefallen ist sind die verdorrenden Bananenstauden im Garten. Das MTC war immer eine kleine Oase im dürren Mtwara, aber die Hitze und der allgemeine Wassermangel scheinen auch hier Folgen zu zeigen. Wie soll das erst im Herbst werden?



Wir wurden anschließend von Sr. Tadea zu einem kleinen Imbiss ins Regionalhaus der Schwestern eingeladen, hier wirkte meine Tante Lioba, bis sie krankheitsbedingt nach Europa zurück kehren musste. Chris und ich nahmen dabei die Gelegenheit wahr mit Sr. Tadea und Sr. Cecilia die Pläne der primary school zu begutachten, die die Schwestern bauen wollen. Sie sehen vielversprechend aus, mal sehen was draus wird.



Abends sind wir zum nochmal zum Essen ins Msemo gegangen, quasi als Dankeschön dafür, dass wir den Foto wieder bekomen haben. Fatuma bekam natürlich einen Finderlohn, über den sie sich sehr freute.


Samstag, 22.8.

Der letzte Tag der Reise ist immer ein Tag der gut organisiert sein muss, denn es gibt immer noch einige Dinge zu erledigen und schließlich muss auch noch gepackt werden. Unser Plan kam gehörig durcheinander, denn als ich gestern Abend heimkam hatte Anneliese starken Schüttelfrost und bekam hohes Fieber. Dies ist immer ein Zeichen für Malaria. Sie hat sofort die entsprechende Dosis der Medikamente bekommen, aber es war klar, dass wir heute früh ins Krankenhaus mussten. Zum Glück liegt die dispensary der Benediktiner nur wenige 100 m entfernt, sodass wir gleich um 8:00 Uhr dort waren. Es ist ein kleiner, viereckiger Bau mit einem kleinen Labor, zwei Behandlungszimmern und einer Medikamentenausgabe.



Man meldet sich an, zahlt 1000 TShs "Praxisgebühr" und wartet auf einfachen Bänken auf die Behandlung. Zu dieser frühen Stunde waren nur wenige Menschen da, wir mussten also nicht lange warten.





Der Malariatest ist hier sehr unkompliziert, ein Tropfen Blut genügt und einige Minuten später war klar, dass sie Malaria hat. Der Arzt bestätigte dies, lobte uns für die prompte Einnahme des Medikaments und schickte uns wieder heim. Für die Menschen hier ist Malaria eine alltägliche Sache und deswegen nicht dramatisch. Klar gibt es auch tödliche Fälle, aber es ist in etwa so wie bei uns mit der Grippe. Viele Leute erkranken daran, es gibt immer auch Todesfälle, aber in der Regel muss man sie auskurieren, dann geht es wieder. Auch bei Anneliese war es so, sie erholte sich im Laufe des Tages, abends war sie schon wieder beim Abendessen dabei, sie hatte also zum Glück nur eine leichte Form von Malaria. Mit Verspätung traf ich deshalb mit Peter in der Pfarrei St. Paul ein, wo wir noch 2 "Termine" hatten. Ich hatte seit Donnerstag mehrmals Kontakt mit dem Fair-Handel in Münsterschwarzach aufgenommen und wir konnten die aufgetretenen Probleme beseitigen. Bestellt wurden 500 kg Cashewnüsse, die bis Mittwoch geliefert werden und gleich versendet werden müssen.



Der andere Teil des Treffens war etwas schwieriger, denn wir trafen uns mit einer Delegation der UPENDO Gruppe. Es ging darum, das Konzept mit dem "Sozialpädagogen" zu erläutern, das wir am Donnerstag besprochen haben. Sie waren sehr glücklich darüber, dass wir ihnen auch weiterhin Hilfe gewähren werden. Es waren 25 von der Gruppe da und sie freuten sich, als ich ihnen 40.000 TShs (ca. 21 Euro) für ein gemeinsames warmes Mittagessen gab, normalerweise können sie sich dies nicht leisten.





Es ist erschütternd diese Menschen zu sehen. Einige von ihnen sind nur noch Haut und Knochen und sie werden die nächsten Monate nicht überleben. Wenn jetzt auch noch eine allgemeine Hungersnot kommt haben sie überhaupt keine Chance mehr. Sehr betroffen machte uns die Situation der 13 Kinder der Gruppe. Einige von ihnen sind so schwach, dass sie kaum laufen können. Ihre Lage ist ebenfalls dramatisch.



Obwohl auch sie vom Staat kostenlose Medikamente erhalten, ist ihre Überlebenschance gering. Schon eine leichte Malaria kann ihren Tod verursachen. Eine geregelte und gesunde Ernährung würde ihnen aber sehr helfen. Wer dieses Projekt unterstützen möchte ist herzlich zu einer Spende eingeladen, jeder noch so kleine Betrag wird helfen.
Das Leiden der Menschen so hautnah zu erleben hat uns regelrecht geschockt. Peter und mir fiel es schwer danach am Meer die Schönheit der Landschaft zu genießen.





Ein letztes Bad im Meer und ein richtiger schöner Sonnenuntergang verschönerte uns den Abschied von Mtwara.





Das gemeinsame Abendessen bei Papa Tupa mit Chris, den Pfarrern Silvanus und Philbert und zum Glück mit Anneliese rundeten den Tag ab. Es war recht lustig, vor allem als Schwester Veronika von den Jungs Mau-Mau lernte. Judith war wie immer unkompiziert, egal wo sie war, wenn sie müde war schlief sie einfach ein.






Sonntag, 23.8.

Da wir bereits um 11.00 Uhr zum Flughafen mussten, wurden gleich nach dem Aufstehen die Koffer gepackt. Um 6.45 Uhr war Abfahrt, denn wir fuhren in die Pfarrei St.Paul, wo Chris die Frühmesse hielt. Alle die in der Messe waren freuten sich ihren ehemaligen Pfarrer wieder zu sehen und auch Chris war froh darüber hier sein zu können. Die Messe dauerte sehr lange, da insgesamt 15 Kinder getauft wurden. Die Zeremonie ist schlicht, die Kerzen sind einfache Wachskerzen und es gibt nur ein Taufkleid für alle, aber es ist für die ganze Familie ein Ereignis.





Uns hat der Chor sehr gut gefallen, dessen Gesänge von Trommlern begleitet wurden. Die Sänger bewegen sich bei allen Liedern und regen alle Besucher der Messe an mit zu machen.





Nach einem schnellen Frühstück in der Pfarrei war es Zeit zum Flughafen zu fahren und sich von Mtwara zu verabschieden.





Wir haben die Tage hier sehr genossen, denn es war warm und das Baden im Meer war ein Kontrast zum kalten Wetter in Uomboni. Der Flug nach Dar es Salaam ging pünktlich ab und wir waren am frühen Nachmittag in unserer Unterkunft im TEC. Wir ließen den Tag in einem Restaurant in der Stadt ausklingen. Die ganze Reisegruppe war froh, dass die 3 Wochen so gut verlaufen sind, wir haben sehr viel erlebt, es wird für alle unvergesslich sein.




Fazit:
Die vergangenen 3 Wochen waren für die gesamte Reisegruppe anstrengend, aber sehr bereichernd. Wir haben auf engstem Raum zusammengelebt, oftmals waren wir mit 13 Leuten in einem Auto (Minibus) unterwegs, "unser" Land Rover in Mtwara war mit 9 Leuten immer voll besetzt. Es ist deshalb nicht selbstverständlich, dass es dabei ohne große Schwierigkeiten abgeht, wir hatten eine harmonische Reise. Im Mittelpunkt stand natürlich die Einweihung des Ausbildungszentrums Hugo Mill. Für die Pfarrei war es ein Jahrhundertereignis, für uns waren die Tage um dieses Fest ein intensives Erlebnis. Ich bin stolz darauf, dass wir den Bau der Schule in dieser, für afrikanische Verhältnisse, kurzen Zeit erfolgreich über die Bühne gebracht haben. Ich musste im Februar und an Ostern hinreisen, um Dinge zu klären. Es steckt viel Arbeit darin und ohne Peter "Murphy" Fischer wäre uns dies nie gelungen. Asante sana!
Die verschiedenen Projekte laufen gut bis sehr gut. Eine Erfolgsgeschichte ist das System der Mikrokredite, das wir seit August letzten Jahres aufgebaut haben. Insgesamt 60 Frauen haben einen Mikrokredit beantragt, dabei wurden Beträge zwischen 10.000 TShs (ca. 6 €) und 300.000 TShs (ca. 167 €) ausgezahlt. Die Rückzahlquote liegt bei 100 %, d.h. es gibt bisher keine Ausfälle! Mit diesen geringen Beträgen wirtschaften die Frauen und erzielen somit ein kleines Einkommen.
In Mtwara gab es einige Probleme, die wir vor Ort besprochen haben und die sich hoffentlich bald ändern. So ist etwa die Kinderzahl in den Kindergärten auffallend geschrumpft. Dies wird damit erklärt, dass immer mehr private Einrichtungen eröffnet werden, die aber bei Weitem nicht den Bildungsstandard erfüllen können, den unsere Kindergärten mit den ausgebildeten Lehrern bieten. Hierauf müssen die Eltern in einer Art "Werbungsoffensive" hingewiesen werden, mal sehen ob es was nützt. Außerdem hat die Erhöhung des Kindergartenbeitrags auf 15.000 TShs pro Jahr (ca. 8 €) vielleicht einige abgeschreckt. Dramatisch ist die Situation der UPENDO group. Da die "Macher" der AIDS-Gruppe inzwischen verstorben sind musste eine neue Organisationsstruktur gefunden werden. Der neu einzustellende "Sozialpädagoge" wird versuchen den betroffenen Menschen zu helfen, vor allem die Kinder sind in einer hoffnungslosen Lage.
Tansania steht vor einer Hungersnot! Das haben wir immer wieder gehört und auch gesehen. Weite Teile des Landes sind ausgetrocknet, die Ernten sind verdorrt oder es gab nur sehr geringe Erträge. Da die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel künstlich durch Fonds aufgebläht werden, werden wieder die Ärmsten darunter leiden und hungern müssen.
Insgesamt ist aber eine positive wirtschaftliche Entwicklung zu sehen, in den Städten naturgemäß stärker als im Busch, wo die Menschen nach wie vor zum größten Teil ohne Wasser- und Stromversorgung zurechtkommen müssen. In den Städten hat sich eine Industrie entwickelt, die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Eier, Mehl usw. war noch nie so vielfältig, man muss es sich halt leisten können. Im Bereich der Bildung ist auch eine Änderung zu spüren, viele Jugendliche wollen die Sekundarschule besuchen und nehmen dafür große Unannehmlichkeiten in Kauf, die bei uns unvorstellbar wären (s. Bericht Februar 09). Aber dadurch, dass viele Menschen in akuter Not leben kann diesen auf absehbare Zeit nur durch Spenden geholfen werden ein menschenwürdiges Leben führen zu können.
Vielen Dank für das Interesse an unserer "Arbeit"
Frammersbach, 29.8.2009
Werner Friedel