School
Africa

April 2006


Donnerstag, 6.4.

Nach einem ruhigen Flug konnten wir schon bei der Landung in Daressalaam erkennen, dass wir mitten in der Regenzeit angekommen sind. Strömender Tropenregen durchweicht in Sekundenschnelle Schuhe und Kleidung, die größte Stadt Tansanias meldet "Land unter" auf den Strassen. Beeinträchtigt ist dabei nicht nur der Straßenverkehr, auch das alltäglich Leben, das sich traditionell im Freien abspielt, wird massiv beeinträchtigt. Viele der für die Versorgung notwendigen Strassenhändler haben enorme Einkommensverluste, stellenweise bricht auch der Autoverkehr zusammen. Zum Glück sind aber die Temperaturen nicht so hoch wie befürchtet, die ca. 28 Grad sind erträglich, auch wenn die hohe Luftfeuchtigkeit anstrengend ist.





Freitag, 7.4.

Auch heute fällt wieder strömender Regen, wir sind scheinbar mitten in die Regenzeit geraten. Wir sind mit einer kleinen Propellermaschine weitergeflogen, die heftig geschüttelt wurde beim Durchqueren der Wolkendecke. Es hat aber schon einen besonderen Charme, wenn man beim Aussteigen von einem Bediensteten der Fluggesellschaft einen Schirm überreicht bekommt, damit man einigermaßen trocken, das Gebäude erreicht.

Der Empfang im Montessori Training Center (MTC) war wie immer herzlich, die Lehrerinnen haben uns lautstark begrüßt. Father Allen, der Pfarrer von Tundahimba, in dessen Pfarrei der Kindergarten Mbalala liegt, war in Mtwara und hat auf uns gewartet, denn wahrscheinlich wird es nicht möglich sein nach Mbalala zu fahren, da es durch die Regenfälle der letzten Woche momentan gefährlich ist die Straße zu befahren. Er hat Sr. Berntraud und uns erfreut berichtet, dass der Kindergarten fertiggestellt ist und der Betrieb läuft.

Nach einigen kleinen Besorgungen haben wir den Verlauf unseres Besuches besprochen, es wird ein dicht bepacktes Programm bis zur Abreise sein. Am Abend trafen wir uns noch mit F.Christian, bevor wir müde ins Bett gingen.

Samstag, 8.4.

Zum Glück ist es nicht so heiß wie voriges Jahr an Ostern, die Nächte sind dadurch erholsamer. Aber der Samstag begann mit strahlend blauem Himmel und bereits am Morgen kletterte das Thermometer über 30 Grad. Andreas und Michael hatten am Vormittag die Aufgabe im Computerraum des MTC PCs zu überprüfen und Sr. Berntraud in Sachen Email und Internet zu unterstützen, die ideale Aufgabe für die beiden.

Währenddessen traf ich in der Pfarrei St. Paul den dortigen Pfarrer Christian Temu, den Kaplan Philbert Mandera und Pfarrer Silvanus Chikuyu, den Manager der St. Thomas Aquinas Secondary School.

Es gab viele offene Fragen zur Abwicklung der Kindergartenfinanzierung und zu den Spessart-Bike-Stipendien zu klären, sowie zur zukünftigen Vorgehensweise. Es waren interessante Gespräche und für mich ist ganz deutlich eine eigene "afrikanische" Sichtweise zu erkennen, mit der sie an ihre schwierigen Aufgaben herangehen. Den Nachmittag haben wir zu einem Bad im Meer genutzt, was trotz des fast zu warmen Wassers angenehm war.

Sonntag, 9.4.

Palmsonntag - das heißt früh aufstehen, denn um 7.00 Uhr beginnt die Palmprozession in der neuen Kirche im Stadtteil Shangani. Über 700 Christen sind gekommen, hier gibt es eine stabile Pfarrgemeinde. In Tansania werden echte Palmen verwendet, die teilweise kunstvoll geflochten worden sind.

Für uns ist es immer wieder beeindruckend, wie lebhaft und Farbenfroh die Messe gestaltet wird.

Nach dem Frühstück habe ich mit Sr. Berntraud die Zuschüsse aus dem Patenschaftsprogramm abgerechnet. Zum Mittagessen sind wir von der Regionaloberin Sr. Bertwalda eingeladen worden, haben gebadet und einen Ausflug nach Mikindani zum alten Sklavenmarkt gemacht, also einen entspannten Sonntag genossen.

Montag, 10.4.

Schon beim Aufstehen war es heiß, die Sonne brannte, bereits um 8.00 Uhr hatte es 33 Grad! Wir sind mit Pater Christian zum Gefängnis Chumvini gefahren, um mit dem Gefängnisdirektor die Einweihung des neuen Kindergartens am Mittwoch vorzubereiten. Die Arbeiten am Gebäude werden von den Häftlingen ausgeführt, sie sind noch in vollem Gange. Dieser Kindergarten wurde vollständig von unseren Spendern finanziert und wird hier mitten im Busch wiederum eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder bringen. Wir waren froh, dass es nicht geregnet hat, denn die Strassen dahin sind so schlecht, dass wir nur hoffen können, dass es auch am Mittwoch so sein wird!

Am Nachmittag konnten wir dann einen Tropenregen erleben, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Binnen Minuten wurde aus der Strasse ein richtiger Bachlauf, nach einer halben Stunde war er komplett überschwemmt. Dabei wird der Lehm mitgerissen, übrig bleiben tiefe Löcher, eine Gefahr für alle Autofahrer.




Dienstag, 11.4.

"Die Welt hat sich auf den Kopf gedreht, das Wetter spielt verrückt" sagte mir gestern Abend ein 71jähriger Tansanianer, der sich nicht erinnern konnte, dass es so spät im Jahr noch so stark geregnet hat. Es hat überhaupt nicht aufgehört. Die Stadt liegt etwas oberhalb vom Meer und aus allen Ecken schoss das Wasser über die Strassen in Richtung Strand. Der Markt war ein einziges Schlammbad. Die ganze Nacht hat es durchgeregnet und somit wurde unser Plan, Kindergärten an Außenstellen zu besuchen, genauso über den Haufen geworfen, wie die Fahrt nach Mbalala. Die Sonne schien wieder.

Also gab es einen Erholungstag, der auch deshalb recht kam, da Andreas am Montag mit einem Infekt im Krankenzimmer bei den Schwestern lag. Zum Glück ist es keine Malaria! Zeit genug, um im MTC die Montessori Materialien zusammen zu tragen, die wir für eine Ausstellung in Amerika mit nach Deutschland nehmen werden. Dabei wurde mir wieder bewusst, wie fortschrittlich diese Art der Pädagogik eigentlich ist. Während in Bayern erst ab diesem Kindergartenjahr in einem neuen Lehrplan Mathematische und Naturwissenschaftliche Grundlagen aufgenommen wurden (Pisa lässt grüßen!) arbeitet die Montessori Pädagogik schon immer damit. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder, die "unsere" Kindergärten besuchen bereits sehr weit entwickelt im Lesen, Schreiben und Rechnen sind. Auch im neuen Lehrplan in der BFS für Kinderpflege, der ab September 2006 gilt, sind erst jetzt die Inhalte zu finden, die hier schon seit mehreren Jahre umgesetzt worden sind!


Mittwoch, 13.4.

Der Ruhetag hat uns gut getan, Andreas ist wieder einigermaßen fit und konnte mit zur Einweihung ins "Gefängnisdorf" Chumvini fahren. Im "salt prison camp" sitzen 50 Häftlinge ein, deren Aufgabe die Salzgewinnung aus dem Meer ist. Um das eigentliche Gefängnis herum ist ein kleines Dorf entstanden, in dem hauptsächlich die Angestellten mit ihren Familien wohnen. Bisher wurden die Kinder unter schlechten Bedingungen in einer Barracke "unterrichtet", die auch als Casino diente. Unsere Bedingung, dass wir ein neues Gebäude mitfinanzieren war es, dass auch die Kinder, die in den versteut um das Dorf liegenden Hütten wohnen den Kindergarten besuchen können. Das neue Haus wurde von den Häftlingen und den Angestellten zusammen erbaut, noch am Montag war nicht alles fertig. Aber um die Einweihung in unserer Anwesenheit durchführen zu können, haben sie 2 Tage und Nächte durchgearbeitet und es hat sich gelohnt. Wie es hier üblich ist gab es eine große Zeremonie unter dem Motto "Asanteni" (Dankeschön) mit Tänzern, Trommlern, Kindergruppen, Ansprachen, Essen usw.


Mehr Bilder von der Einweihung

Das Wetter spielte mit, es regnete erst, als wir am späten Nachmittag heimkamen, also wurde es ein unvergessliches Erlebnis, zumal auch Andreas wieder dabei sein konnte. Abends hatten wir zusammen mit den Lehrerinnen des MTC viel Spaß bei einem gemeinsamen Essen.

Donnerstag, 13.4.

"Ich bräuchte einen Backofen, der mit wenig Holz auskommt, damit wir für die Schule Brot backen könnten." Vor 3 Jahren hat uns Wolfgang Büdel aus Frammersbach Pläne dafür gezeichnet und uns Ofentürchen besorgt. Es waren 3 Umbauten notwendig, bis er endlich fertig war, aber heute konnten wir endlich selbst erleben, wie darin Brot gebacken wird.

Es hat sich rentiert, denn das Brot ist einmalig in der ganzen Region. Inzwischen gibt es bereits mehrere Anfragen den Ofen nachzubauen, mit dem Container im Mai werden dafür die Ofentürchen geliefert. Mit wenig Holz wird eine große Hitze erreicht, ein umweltschonender Beitrag, der hier bisher unbekannt war. Wir sind mit unserem Programm fast am Ende, in Mtwara stand nur noch der Besuch in der St. Thomas Aquinas School aus, an der 12 Schüler durch das Spessart-Bike-Stipendium unterstützt werden. Wir hatten einen Computer mit Bildschirm dabei, den wir ohne großes "Tam Tam" übergeben wollten, aber so etwas ist hier ziemlich unmöglich. Sofort ist der Headmaster gekommen und wollte eine offizielle Übergabe mit Foto, Hände schütteln, Ansprachen usw.

Afrikaner lieben Zeremonien, das haben wir am Mittwoch in Chumvini erlebt. Alle Schüler wurden zusammen gerufen und sie bekamen die Gelegenheit Andreas und Michael zu befragen, direkt danach durften sie in die Osterferien gehen.

Anschließend hatten wir noch ein kurzes Meeting mit P. Christian, um einige wichtige Daten auszutauschen. Damit war der offizielle Teil unserer Reise vorerst beendet, am Sonntag treffen wir noch Sr. Gaspara aus Lushoto, deren Kindergärten und das Krankenhaus auch von uns unterstützt wird.

Freitag, 14.4.

Am Karfreitag ist auch in Tansania Feiertag, was aber im Alltag nicht unbedingt auffällt. Die Menschen sind trotzdem unterwegs, meistens um für ihre Nahrung zu sorgen. Bei diesem Klima und den Lebensverhältnissen ist nur für die Reichen eine Vorratshaltung möglich, die anderen müssen täglich ihr Wasser holen und für ihre Nahrung sorgen, also sind sie unterwegs wie jeden Tag.

Dadurch, dass die Moslems am Freitag ihren "Sonntag" haben, geht es an diesen Tagen sowieso ruhiger zu. Andreas konnte sich erholen, Michael hat Sr. Bertwalda am Computer geholfen und ich habe mich mit Pater Witmar getroffen, dem Finanzverwalter der Diözese Mtwara, um finanzielle Angelegenheiten, die die Kihi Tansania betreffen, zu besprechen. Dabei hat er auch weitreichende Veränderungen in der Trägerschaft der St. Thomas Aquinas School angekündigt und auch, dass die Finanzierung des Neubaus inzwischen gesichert ist, Baubeginn wird nach der Regenzeit sein. Am Nachmittag besuchte ich die Karfreitagsandacht in Shangani. Die 32 Schülerinnen und einige der Lehrkräfte des MTC spielten und sangen in der vollbesetzten Kirche die Passion, was ihnen sehr überzeugend und beeindruckend gelang. Die spielerische Darstellung der Leidensgeschichte Christi ist hier üblich, denn sie entspricht der afrikanischen Art ihren Glauben auszudrücken.



Es hat den gesamten Tag und auch die Nacht ohne Pause geregnet, die Strassen werden immer schlechter, alles ist voller Matsch und Schlamm.

Samstag, 15.4.

Der letzte Tag in Mtwara begann mit strahlendem Sonnenschein und sofort steig das Thermometer auf über 30 Grad. Wenn man nicht vom Regen nass wird, dann eben vom Schweiß. Nach dem Frühstück haben wir unsere Sachen gepackt, denn am Sonntag ist dafür keine Zeit mehr. Von allen Seiten kommen Briefe für Bekannte in Deutschland, "Postdienst" ist hier üblich, wenn jemand nach Hause fliegt. Bei einem Marktbesuch haben wir einige Kleinigkeiten (Körbe und Tücher) eingekauft und sind zum Mittagessen in die Pfarrei zu F. Christian gegangen.

Er hat am Ostersonntag Messen an den Außenstellen zu lesen, also haben wir uns schon am Samstag verabschiedet. Am Nachmittag waren wir bei einer afrikanischen Familie eingeladen, ein schöner Abschluss, dem ein letztes Bad im Meer folgte.


Sonntag, 16.4.

Wecken war bereits um 5.30 Uhr, für Andi und Michi eine völlig unchristliche Zeit, aber um 7.00 Uhr begann der Ostergottesdienst, an dem man hier teilnehmen "muss" und danach ging es schon zum Flughafen, also musste vorher alles fertig gepackt sein. Die Messe dauerte lange, aber sie war mit so viel Freude gestaltet, dass es kurzweilig wurde. Die Lieder werden mit Trommeln begleitet, die Menschen klatschen und tanzen dabei, in einer vollen Kirche ein schönes Erlebnis. Vor allem die Frauen haben sich fein gemacht, bei den meisten sieht man das am besten an den Haaren, die regelrechte Kunstwerke sind.


Für eine schöne Frisur nehmen sie sich oft mehrere Stunden Zeit.

Vorher
2 Stunden später

Nach dem Osterfrühstück, wir hatten extra Schinken mitgebracht, ging's zum Flughafen. Zusammen mit Pater Meinolf und Bruder Max haben wir uns abends in Daressalaam mit Eberhard Weiss und seiner Familie getroffen. Er kam Anfang der 80er Jahre als Laienhelfer nach Tansania, hat hier geheiratet und inzwischen 4 Kinder, wir kennen uns schon seit 1984. Die Familie wieder zu treffen war ein schöner Abschluss unserer Zeit in Tansania

Montag, 17.4.

Da wir erst am Abend weggeflogen sind, hatten wir noch Zeit, um nach Mwenge zu fahren, einem Zentrum der Makondeschnitzer, in dem sie ihre Schnitzereien herstellen und in zahlreichen Läden verkaufen.

Sie bearbeiten mit Händen und Füssen Ebenholz, dessen Kern schwarz und sehr hart ist.


Die vielfältigen Figuren werden als landestypische Handwerkskunst in viele Länder exportiert, wobei auch hier die große Gewinnspanne nicht bei den Schnitzern gemacht wird, sondern bei den Händlern im Ausland. Am Nachmittag traf ich noch Sr. Gaspara aus Lushoto, um den Bau des Labors an der Klinik abzurechnen, das im letzten Jahr durch unsere Spender finanziert worden ist. Es war übrigens der einzige Tag an dem es nicht geregnet hat! Packen, verabschieden, zum Flughafen fahren und wegfliegen, das waren die letzten Handlungen, kwaheri Tanzania!